Vom stationären Geschäft zum eigenen Onlinehandel

So bauen Sie Schritt für Schritt einen erfolgreichen Onlineshop auf

by Mandy Einicke
Jun 30, 2020
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Viele stationäre Geschäfte mussten im Zuge der Corona-Pandemie temporär ihre Geschäfte schließen. Das führte zu enormen wirtschaftlichen Einbußen und daraus resultierende Existenzängste. Geschäfte, die bereits über einen eigenen Onlineshop verfügten, konnten ihre Produkte weiterhin online verkaufen und so ihre Existenz sichern. Onlineshops ermöglichen also ein flexibles und standortunabhängiges Wirtschaften und können auch zusätzliche Einnahmen fördern. Unabhängig von der Größe der Firma oder des zu vertreibenden Produktes: Die im Zuge der Digitalisierung entstandenen Online-Marktplätze eröffnen eine Vielzahl an Möglichkeiten, um das eigene Geschäft standortunabhängig zu erweitern und neue Kunden zu gewinnen – sei es deutschlandweit oder international.

Dieser Guide zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie einen eigenen Onlineshop erstellen. Zusätzlich erfahren Sie, wie Sie Ihren vorhandenen Onlineshop optimieren und dessen Reichweite steigern, um so noch mehr zahlende Kunden zu gewinnen.

Der Guide ist in drei Themenbereiche unterteilt:

1. Die Vorteile eines Onlineshops

Onlineshopping ist ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens vieler Menschen. Allein in Deutschland wurde laut des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel im Jahr 2019 ein Brutto-Umsatz von 72,6 Millionen im B2C-Onlinehandel erzielt. Das waren 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch für die kommenden Jahre wird mit enormen Wachstumszahlen gerechnet.

Die attraktiven Umsatzzahlen im Online-Handel können Sie dazu motivieren, ebenfalls am stetig wachsenden Online-Markt teilzunehmen. Allerdings sehen viele Besitzer stationärer Geschäfte die fehlende Haptik und den nicht weniger vorhandenen Kundenkontakt von Onlineshops als großes Defizit. Demgegenüber stehen jedoch die Nachteile der begrenzten Einkaufs- und Öffnungszeiten sowie des lokal eingegrenzten Kundenkreises eines stationären Geschäfts.

Ein eigener Onlineshop eröffnet den Zugang zum Weltmarkt: Es spielt keine Rolle mehr, wo Sie ansässig sind – Ihre Produkte können Sie weltweit verkaufen und so potenzielle Kunden auch außerhalb ihrer eigenen geografischen Lage erreichen. Außerdem ist Ihr Onlineshop immer geöffnet: 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag. Der Kunde kann bequem von Zuhause aus nach Feierabend oder auch an Sonntagen Ihre Produkte entdecken.

Ein weiterer Vorteil liegt in den geringeren Kosten. Wer einen Onlineshop betreibt, der zahlt zum Beispiel keine Ladenmiete. Zudem benötigt der Onlinehandel weniger Anfangsinvestitionen, da zum Beispiel kein Mobiliar für eine Ladenausstattung benötigt wird – auch ist weniger Personal nötig. Die geringeren Kosten ermöglichen es Ihnen, die Produkte den Endkunden zu attraktiveren Preise anzubieten und zusätzlich in eine professionelle Online-Strategie zu investieren.
E-Commerce ist kein Synonym für den Onlineshop. E-Commerce bezeichnet den elektronischen Vertrieb über das Internet und umfasst Shop, Marketing, Werbung, Zahlungsabwicklung, CRM-System und Verwaltungssoftware. Der Onlineshop ist somit nur ein Teilbereich von E-Commerce.
Vorteile des Online-Shoppings für den Kunden (Quelle: Bitkom)
Zusätzlich bietet Ihnen ein Onlineshop die Möglichkeit schnell und effektiv das Kundenverhalten zu analysieren. Von wo kommen meine Kunden auf meine Webseite? Welche Produkte werden häufig in Kombination gekauft? Wie viele Webseitenbesucher verlassen den Onlineshop ohne etwas zu kaufen? Für die Analyse und Auswertung des Kundenverhaltens gibt es zahlreiche Tools, die Ihnen entscheidende Vorteile gegenüber dem stationären Handel verschaffen: Sie lernen Ihre Zielgruppe genau kennen und erfahren, wie diese sich virtuell durch Ihr Geschäft bewegen. So können Sie jederzeit Ihren Shop optimieren und Ihre Marketingstrategien gezielt anpassen.

Die Vorteile eines Onlineshops auf einen Blick:

  • Zugang zum Weltmarkt

  • Neue Kunden gewinnen

  • Keine Begrenzung durch Öffnungszeiten

  • Geringe Einstiegskosten

  • Attraktive Preisgestaltung

  • Effektive Kundenanalyse


Produkte zum Anfassen sowie der persönliche Kundenkontakt sind Vorzüge, mit denen der stationäre Handel noch immer gegenüber dem digitalen punkten kann. Allerdings bieten Onlineshops als Erweiterung zum stationären Handel zahlreiche Vorteile. Es geht somit nicht darum, sich zwischen Offline- und Onlinehandel entscheiden zu müssen, sondern darum Synergien zu erzeugen: Mit der Anbindung eines Onlineshops an Ihr stationäres Geschäft erweitern Sie Ihren Kundenkreis und steigern folglich auch Ihren Umsatz. Grundvoraussetzung für den Erfolg ist jedoch eine effektive Online-Strategie. In den folgenden Sektionen erfahren Sie, wie Sie Ihren Onlineshop Schritt für Schritt aufbauen und welche Aspekte in Ihrer Online-Strategie eine elementare Rolle spielen.

2. Das Grundgerüst Ihres Onlinehandels: Legen Sie die Anforderungen an den Onlineshop fest

Immer mehr Menschen kaufen online, insbesondere in Zeiten wie der Corona-Krise, wodurch der Umsatz durch E-Commerce stetig wächst. Um erfolgreich an diesem wachstumsstarken Markt teilnehmen zu können, braucht es im Vorfeld eine klare und solide Planung sowie die Vorbereitung einer strategischen Ausrichtung. Legen Sie also von Beginn an die richtigen Rahmenbedingungen Ihrer erfolgreichen Online-Präsenz fest.

Für viele beginnt der erste Schritt im Aufbau eines Onlineshops mit der Wahl eines geeigneten Shopsystems – doch davon gibt es Unzählige. Aus dieser Vielfalt an Shopsystemen die passende Software auszuwählen, ist für zukünftige Onlinehändler gleich zu Beginn eine der wichtigsten Entscheidungen. Lesen Sie in dieser Sektion, welche Anforderungen an einen Onlineshop im Vorfeld definiert werden müssen, um darauf aufbauend das passende Shopsystem zu finden.

E-Commerce Voraussetzungen

Überprüfen Sie zuallererst Ihre bereits bestehende Software: Gibt es ein Warenwirtschaftssystem, beispielsweise SAP, zu dem in Ihrem Onlineshop nur eine Schnittstelle hergestellt werden muss? Sollen die Bestelldaten aus dem Onlineshop in ein anderes System exportiert werden oder müssen Sie nur einen vorhandenen Artikelbestand in den Online Shop importieren?

Falls Sie bisher über keine bestehende Software verfügen, sollten Sie bei der Wahl des passenden Shopsystems darauf achten, dass dieses über entsprechende Features und Tools verfügt, um administrative Prozesse automatisieren zu können. So vermeiden Sie Mehrarbeit und unübersichtliche Datenbeständen – beispielsweise bei den Verkaufszahlen von Onlineshop und stationären Geschäft. Entscheiden Sie zu Beginn auch, ob Ihr Shopsystem in verschiedenen Sprachen verfügbar sein soll.

Zahlungsmethoden

Eine Studie zum Online-Shopping-Verhalten der Deutschen fand 2018 heraus, dass rund 40 Prozent der Online-Käufer ihren Einkauf abbrechen, wenn das von ihnen bevorzugte Zahlungsverfahren nicht angeboten wird. Machen Sie sich also Gedanken, welche Zahlungsmöglichkeiten Sie Ihren Kunden anbieten wollen.

Zu den beliebten Zahlungsmethoden gehören:

  • Sofortüberweisung

  • Kreditkarte

  • PayPal

  • Bankeinzug

  • Per Nachname

  • Ratenzahlung

  • Amazon Pay

  • Überweisung


Laut einer Umfrage in Deutschland von 2019 gehören PayPal, auf Rechnung sowie Lastschrift oder Kreditkarte zu den beliebtesten Zahlungsmethoden bei Online-Käufen. Wenn Sie also Ihre Auswahl an Zahlungsmethoden festlegen, integrieren Sie auch diese, mit denen Kunden online am liebsten bezahlen. Hohe Geldbeträge werden womöglich aus Aspekten der Absicherung gern per Rechnung bezahlt. Dafür spricht ein Ergebnis der Studie „Online-Payment 2019“, die ergab, dass Zahlungen per Rechnung am umsatzstärksten sind. Wenn Sie also hochpreisige Produkte oder Dienstleistungen anbieten, ist die Bezahlmethode auf Rechnung besonders wichtig für Ihren Shop.
Die beliebtesten Zahlungsmethoden bei Online-Bestellungen in Deutschland 2019 (Quelle: Statista 2020)

Versandoptionen

Eine Studie von PWC fand heraus, dass Online-Shoppern eine kostenlose Lieferung und die Option zur Sendungsverfolgung besonders wichtig ist. Zudem hat eine Auswahl an verschiedenen Paketdienste (DHL, Hermes, etc.) für viele Kunden einen hohen Stellenwert. Der Grund: 83 Prozent der Online-Käufer legen Wert darauf, von einem Dienst beliefert zu werden, mit dem sie gute Erfahrungen gemacht haben. Überlegen Sie also im Vorfeld, welche Versandoptionen Sie Ihren Kunden anbieten wollen und ab welchem Betrag eine kostenlose Lieferung möglich sein könnte.

Kunden-Accounts

In vielen Onlineshops können Kunden sich registrieren und hierdurch ein persönliches Kundenkonto erhalten, indem zum Beispiel Versand- und Rechnungsadresse hinterlegt wird. Das führt zu einem schnelleren und einfacheren Kaufabschluss – ein Vorteil für Sie und für Ihre Stammkunden. Zusätzlich können Details zur Bestellung (Sendungsverfolgung) jederzeit aufgerufen werden. Legen Sie auch fest, ob Kunden Lieblingsartikel speichern können, um diese zu einem späteren Zeitpunkt zu kaufen. Eine weitere Überlegung ist, ob Käufer Ihre Produkte bewerten können und wenn ja, wie: In Textform, mit einem Punktesystem oder beidem? Der Vorteil: Kundenbewertungen sind ein wichtiges Entscheidungskriterium beim Online-Shopping. Erfahren potenzielle Kunden, dass andere Nutzer bereits positive Erfahrungen gemacht haben, schenken sie dem Onlineshop mehr Vertrauen. Zusätzlich können Kundenbewertungen zu einem besseren Ranking bei Google und Co. führen, insbesondere bei lokalen Suchanfragen.

Produktpräsentation

Die verschiedenen Shopsysteme bieten unterschiedliche Möglichkeiten für die Präsentation von Produkten an – von Einzelbildern über Videoformate bis hin zu 360 Grad-Ansichten sowie 3D-Darstellungen ist alles möglich. Legen Sie also im Vorfeld fest, wie Ihre Produkte online präsentiert werden sollen: Gibt es ein Produkt in verschiedenen Farben oder Größen oder möchten Sie mehrere Bilder einem Produkt zuordnen?

Detailbilder geben Ihren Kunden einen guten Einblick in die Verarbeitung und das Material des Produktes. Hierfür sind Zoom-Funktionen oder sogar professionelle Produktvideos hilfreich. Versuchen Sie dem Vorteil des haptischen Erlebens in einem lokalen Geschäft so nah wie möglich zu kommen. Wenn es sich bei Ihren Produkten um technische Innovationen handelt, die bisher nur von wenigen Menschen genutzt wurden, ist es sinnvoll, das Produkt auch in seiner Verwendung zu zeigen.

Info

Überzeugen Sie Ihre Kunden mit hochwertigen Produktdarstellungen, die gekonnt in Szene gesetzt sind, denn ein Foto mit dem Smartphone genügt keinesfalls. Innovative Technologien bieten Ihnen heute völlig neue Möglichkeiten. Auch kurze Filme eignen sich sehr gut, um die Handhabung der angebotenen Waren zu verdeutlichen. Inszenieren Sie also ihre Produkte und schaffen Sie ein digitales Einkaufserlebnis.

Entscheiden Sie im Vorfeld auch wie viele Produkte Sie in Ihrem Onlineshop anbieten wollen, denn nicht alle Shopsysteme können eine große Anzahl an Produkten verwalten. Wenn Sie eine große Produktauswahl anbieten, ist eine Filterfunktion sinnvoll. Kunden können so nach bestimmten Kriterien (Farbe, Preis, Größe, etc.) die gesuchten Produkte schneller finden.
Checkliste: Grundlegende Fragen zu den Shop-Anforderungen:

  • Kann die bestehende Software mit dem Shopsystem verknüpft werden?

  • Über welche Sprachen soll der Onlineshop verfügen?

  • Welche Zahlungsmöglichkeiten möchten Sie zur Verfügung stellen?

  • Welche Versandoptionen sind möglich?

  • Können Kunden-Accounts angelegt werden?

  • Wie viele Produkte werden zu Beginn angeboten?

  • Wie oft sollen Produkte geändert oder ergänzt werden?

  • Wie viele Produkte sollen insgesamt angeboten werden?

  • Wie werden die Produkte präsentiert?

  • Gibt es eine Filterfunktion für die Produktsuche?

Auf der Grundlage Ihrer festgelegten Anforderungen können Sie gezielt ein passendes Shopsystem finden. In der Sektion 6 erfahren Sie, worin sich die unterschiedlichen Anbieter voneinander unterscheiden. Doch zunächst gilt es das Produktangebot zu definieren. Lesen Sie in der folgenden Lektion, was Sie bei Ihrer Produktauswahl beachten sollten

3. So definieren Sie Ihr Produktangebot für den Onlineshop

Ihr stationäres Geschäft verfügt bereits über ein breites Produktsortiment. Das verleitet häufig dazu die gesamte Produktpalette online zur Verfügung zu stellen. Konzentrieren Sie sich zu Beginn lieber auf Ihre Kernprodukte. Zu viele verschiedene Warengruppen in einem Produktsortiment wirken häufig wie ein konzeptloser Gemischwarenshop. Wenn Sie zum Beispiel Honig aus eigener Herstellung verkaufen, dann fokussieren Sie sich im Anfangsstadium auf den Honig und nicht auf die Teetassen oder das Imkerzubehör. Der Vorteil: Mit diesem sogenannten tiefen Sortiment haben Sie es mit einer sehr klar definierbaren Zielgruppe zu tun. Das vereinfacht die Vermarktungschancen. Mit einem breiten Sortiment müssen Sie auch eine größere Zielgruppe ansprechen.
Info

Bieten Sie im Anfangsstadium wenige, aber auf die Kernzielgruppe fokussierte Produkte an und erweitern Sie Ihr Sortiment erst nach und nach. So erreichen Sie langfristigen Erfolg.
Sollten Sie nach einiger Zeit Ihr Warensortiment erweitern, kategorisieren Sie Ihre Waren in Produktgruppen. So behalten Sie bei einer größeren Produktvielfalt den Überblick. Vor allem für den Kunden sollte der Onlineshop übersichtlich strukturiert sein. Enthält ein Sortiment mehrere Kategorien, dann bieten sich zum Beispiel Pulldown-Menüs für einen schnelleren Überblick an. Eine gelungene Shopstruktur bietet Ihren Kunden somit eine gute Usability und User Experience. Denn findet der Kunde nicht sofort das Produkt das er sucht, schaut er sich schnell woanders um.

Wie in der Sektion Die Vorteile eines Onlineshops bereits erläutert, besticht der stationäre Handel durch das haptische Erlebnis seiner Produkte. Informationen, die Kunden sinnlich aufnehmen (Material, Größe, Farbigkeit, Gewicht, etc.), sollten Sie im Onlineshop in Form von zusätzlichen Informationen aufbereiten. Lassen Sie Ihre Kunden nicht im Unklaren: Versetzen Sie sich in die Lage des Käufers und überlegen Sie, welche Produktinformationen Sie selbst interessant und wichtig finden würden. Detaillierte Produktbeschreibungen sorgen weiterhin für ein besseres Ranking in Suchmaschinen: So werden Sie von potenziellen Kunden online besser gefunden. Mehr zum Thema Suchmaschinenmarketing lesen Sie in der Sektion 8.

4. Lernen Sie von der Konkurrenz: Die Wettbewerbsanalyse

Amazon, Ebay oder Zalando – wer einen eigenen Onlineshop erstellen möchte, kommt an diesen Marktriesen nicht vorbei. Lohnt sich ein eigener Shop überhaupt, wenn der E-Commerce Markt von diesen global Playern dominiert wird? Fakt ist, der Online-Markt ist hart umkämpft: Sie werden nicht der einzige Anbieter mit Ihrem Produkt auf dem Onlinemarkt sein, das ist in der heutigen Zeit kaum mehr möglich. Selbst in den Nischenmärkten findet sich längst nicht mehr nur ein Anbieter für ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung.
Quelle: Statista
Wie können Sie diesen Umstand dennoch für sich nutzen? Analysieren Sie Ihre Mitbewerber: Erkennen Sie die Schwächen und entwickeln Sie basierend darauf Strategien, wie Sie mögliche Marktlücken schließen können. Wie Sie dabei vorgehen, erfahren Sie in dieser Sektion zum Thema Markt,- Konkurrenz- und Wettbewerbsanalyse.